Das Cover der elften Dragon-Ausgabe stammt diesmal von Elrohir. Mir
gefällt die Farbgebung nicht besonders, da sie irgendwie vom
eigentlichen Inhalt des Bildes ablenkt, aber gute Titelbilder waren
bisher eher rar, insoweit passt es ganz gut ins Schema. Im Editorial
freut sich Tim Kask dann über Fritz Leiber, Andre Norton und L.Sprague
DeCamp, die in dieser (Leiber) oder künftigen Ausgaben mit Fiktion
vertreten sein werden. Außerdem hat er nun in Joe Orlowski einen
Mitredakteur erhalten, was ein Zeichen für das Wachstum des Dragon
Magazines ist. Das übrigens alsbald von zweimonatigem auf Monatsrhythmus
umstellen sollte.
Gary Gygax eröffnet den Artikelreigen mit einem Gasteditorial. View From the Telescope Wondering Which End is Which
beschäftigt sich mit bereits bestehenden Plagiatorien und der recht
restriktiven Politik TSRs, was die eigenen Rechte an D&D angeht.
Grundtenor ist: Wir selbst sind am Besten geeignet, unser Regelwerk um
neue Elemente zu erweitern und wollen uns das von anderen auch nicht
zerschießen lassen. Man sieht, an eine Art OGL dürfte Gary eher nicht
gedacht haben. Nun kann es ihm nicht verdenken, dass er angesäuert ist,
wenn Wettbewerber (so stellt er es dar) TSR-eigenes Material neu
kompilieren und dann auf den Markt werfen. Wie ich es ihm auch nicht
übel nehme, wenn er sich nicht dafür beschimpfen lassen will, dass TSR
sich nicht einfach die Ideen klauen lässt. Allerdings zeigt er, wenn er
TSR mit einem Löwen und die anderen mit Geiern und Schakalen vergleicht,
einen ziemlich ausgeprägten Hang zur Polemik, was sicher dazu
beigetragen haben dürfte, dass seine Popularität die ein oder andere
Delle abbekam. Zumal TSR ja selbst ein wenig Ärger bekam, weil man sich
allzu freigiebig am Tolkienmythos bedient hatte, ohne vorher um
Erlaubnis zu fragen.
Es folgt eine Regelvariante von Robert J. Kuntz, mit der man Raufereien
umsetzen kann. Dabei hat man zwei Angriffsvarianten: den Ringkampf und
den Faustschlag. Im ersten Fall werden Stärke und Geschick der
Kontrahenten gemittelt und miteinander verglichen. Die Differenz ergibt
in Kombination mit 2W6 den möglichen Schaden. Beim Faustschlag wird
durch Würfeln zuerst ermittelt, ob ein Treffer vorliegt, wonach die
Stärke des Angreifers mit der Konstitution des Verteidigers verglichen
wird. Ein weiterer Wurf ergibt dann wiederum den möglichen Schaden (es
ist durchaus möglich, trotz eines Treffers keinen Schaden zu erzielen).
Der Schaden wird jeweils vom Konstitutionswert abgezogen. Fällt
dieser auf Null, wird der entsprechende Charakter bewusstlos.
Interessant wird das besonders im Fall von Faustschlägen, weil dort die
Konstitution eine besondere Rolle spielt. Sinkt diese beim Gegner,
wächst dadurch die Wahrscheinlichkeit, bei künftigen Angriffen höheren
Schaden zu erzielen.
Tony Watson beschäftigt sich in How Do You Stop That Thing or Defending Against The Ogre mit dem Kriegsspiel Ogre,
bzw. genauer gesagt mit Verteidigungsstrategien gegen die Einheit
gleichen Namens. Kann ich wie üblich beim Thema Wargames nicht viel zu
sagen.
Warum Thomas Filmores kurzer Beitrag The Play’s The Thing
in die Kategorie “Design Forum” geschafft hat, ist mir nicht ganz klar,
designt wird da nämlich nicht viel. Statt dessen steht da einfach nur
eine Aufforderung an andere Spieler, ihre Charakter doch beim nächsten
mal über die Werte hinausgehend zu definieren, und auf diese Weise die
ersten Schritte Richtung Charakterspiel zu tun. Aus anderen Beiträgen
hab ich allerdings den Eindruck, dass die Rollenspielwelt damals schon
einen Schritt weiter war.
M.A.R. Barker beantwortet in Seal of the Imperium wieder einige Fragen zum Regelsystem von Empire of the Petal Throne und der Kampagnenwelt Tékumel.
Wohl einen Lückenfüller stellt James Wards Auszug aus den Chronicles of Emaj the Rotund
dar, in dem er in leidlich amüsanter Weise einen Teil der Geschichte
der Snits (ja, die aus dem Spiel der letzten Ausgabe) erzählt. Das
eigentlich interessante sind die Anmerkungen und Errata zu den in der
letzten Ausgabe veröffentlichten Spielregeln.
Es folgt die erste Ausgabe von From the Sorcerer’s Scroll.
Rob Kuntz gibt den Lesern einen kleinen Einblick in die bei TSR
anstehenden Produkte und die Entwicklung von D&D auf dem
internationalen Markt. Den recht kurzen Artikel schließt er mit einem
kleinen Fragebogen ab, mit dem er abzufragen versucht, welche Themen
künftig in dieser Kolumne besprochen werden sollen.
Sea Magic aus der Feder von Fritz Leiber bildet den ersten Teil der Ereignisse, die in Leibers Kurzgeschichtensammlung Knight and Knave of Swords
erzählt werden. Der Graue Mauser ist gerade auf Reisen und der
inzwischen einhändige Fafhrd trainiert das Bogenschießen, als ein
uraltes Meerwesen sich anschickt, die Artefakte zurückzuholen, die einst
von den Piraten der Rime-Inseln gestohlen wurden. Fafhrd wird natürlich
in die Ereignisse verstrickt, die durch eine angebliche Geistersichtung
eingeleitet werden. Nach schwerfälligem Beginn lässt sie sich auch
heute noch gut lesen, zumal Leiber eine wichtige Inspirationsquelle für
D&D darstellt. Die gesammelten Lankhmar-Erzählungen Fritz Leibers
sind übrigens 2008 als Taschenbücher von Dark Horse neu aufgelegt worden
und sollten noch recht günstig erhältlich sein (ich mach normal keine
Werbung, aber für Leiber mach ich eine Ausnahme).
Zu Beginn hatten wir Regeln für Raufereien, nun liefert James Ward ein System für den Kampf mit Kampfstäben.
Die Kontrahenten führen jeweils eine beliebige Zweierkombination aus
Angriff und Verteidigung aus (AA, AV oder VV), wobei die Verteidigung
keine direkte Parade eines Angriffs darstellt, sondern einfach dazu
dient, eventuellen Schaden um eine auszuwürfelnde Menge zu verringern.
Die Schadenshöchstmenge berechnet sich aus der Summe von Stärke und
Konstitution, außerdem können hohe ST-, GE- oder KO-Werte Boni auf den
Angriff oder den Schaden verleihen bzw. den erlittenen Schaden weiter
reduzieren. Je nach Können gehört ein Kämpfer einer von drei Stufen an,
die wiederum die grundsätzliche Trefferwahrscheinlichkeit definieren.
In der Abteilung Comic geben sich Wormy und Finieous
Finger ein neuerliches Stelldichein. Mit dieser Ausgabe wurde mein
Lieblingsdrache für mich unsterblich, indem er sich auf unnachahmliche
Art der Zwerge vor seiner Höhle entledigte (What wears Chainmail and
looks like Black Pudding? – Squashed Dwarves!). Und Finieous beweist ein
weiteres Mal seine unglaubliche, dafür aber extrem lustige Dämlichkeit.
Gerade noch auf der Flucht vor den Hobbitdieben, die seinen
Gildenmeister abgemurkst haben, lässt er sich prompt von einem der
Halblinge bequatschen, für diesen auf eine lebensgefährliche Mission zu
begeben. Da kannte wohl schon jemand die Diplomatieregeln der dritten
Edition, so einfach geht das sonst nämlich nirgends.
Dann gibts noch einen kleinen Verriss von Tim Kask, der an der 1977
auf NBC erschienen Zeichentrickverfilmung des Kleinen Hobbits so gar
keinen Gefallen finden mag. Ich kenne den Streifen nicht, kann also
nichts darüber sagen, aber wenn Kask sich darüber aufregt, dass der
Zuschauer keinen Eindruck von der Bedeutung der Ereignisse für den Herrn
der Ringe erhält, werde ich schon etwas misstrauisch, schließlich
bekommt man diesen Eindruck auch nicht, wenn man das Buch liest. Da
wollte der selbsternannte Tolkien-Experte sich auch wohl mit aller
Gewalt aufregen, solche Spezialisten kennt man ja auch, wenn es um
Jacksons Verfilmung des HdR geht.
In der Sorcerer’s Scroll wurde es schon angesprochen, und die
folgende ganzseitige Werbung macht es noch einmal deutlich: AD&D
steht vor der Tür, mit dem Monster Manual als Türöffner. Als
Beispielsmonstereintrag dient der Carrion Crawler, und die beigefügte
Illustration ist so hilarious (gibts dafür eigentlich ein äquivalent
verwendbares deutsches Wort?), dass ich wohl mal wieder dass
dazugehörige Buch werde aufschlagen müssen.
Und zu guter Letzt gibt’s die Rache der Snits: Snit’s Revenge
ist ein zweites Spiel aus der Feder Tom Whams, in dem die so arg von
den Bolotomi gepiesackten Snits versuchen können, Rache zu nehmen, indem
sie in den Körper eines Bolotomus eindringen und diesen töten, indem
sie entweder genügend Organe funktionsuntüchtig machen oder indems sie
ihm den Lebensfunken zerstören. Ich habs mir jetzt nicht ganz im Detail
durchgelesen, aber auch dieses Spiel wirkt wieder, als könne man damit
ganz kurzweiligen Zeitvertreib mit zwei oder mehreren Spielern
verbringen.
Fazit: Die Kurzgeschichte von Leiber rettet diese
Ausgabe für mich so ein wenig. Ansonsten ist es für meinen Geschmack ein
bissl zu viel Gelaber und ein bissl zu wenig Inhalt.

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