Donnerstag, 20. Februar 2014

[Nachgedacht]Schummeleien 1 – Rollen- und Brettspiele im Vergleich

Eigentlich wollte ich aus einem anderen Anlass mich nochmal mit dem leidigen Thema „schummeln“ befassen, bin dabei aber in meinem Dokumenteordner auf einen Teilbeitrag zum Thema gestoßen, den ich dem ganzen voranstellen möchte Ich weiß nicht mehr, wo und wann das war, aber irgendwo in einem anderen Blog stellt jemand in der Kommentarsektion die (ironisch-rhetorische) Frage, warum man denn beim Rollenspielen überhaupt übers Schummeln aka Würfeldrehen diskutiere, wenn man doch beim Brettspiel dafür richtig viel Ärger bekomme?

Aus dem damaligen Kontext herausgerissen gibt es dafür eigentlich eine sehr einfache Antwort :

Rollenspiele sind nun mal keine Brettspiele.

1.In Brettspielen sind im Allgemeinen die Regeln des Spiels die einzige Kommunikationsgrundlage, auf der die Spieler ihre Entscheidungen aufbauen. Es gibt keinen Spielleiter als vermittelnde/regelnde Instanz. Der im Rollenspielbereich so oft bemühte Gruppenvertrag ist in diesem Fall deckungsgleich mit dem Regelwerk des jeweiligen Spiels. Und sonst gibt es nichts. Im Rollenspiel hingegen ist das Regelsystem lediglich ein Teil des Gruppenvertrags und hat alleine von daher eine geringere Priorität, die festzulegen natürlich Aufgabe der Gruppe ist und nicht automatisch den Passus „Würfeldrehen ist nicht erlaubt“ enthalten muss.

2.In Brettspielen spielt man (meist) gegeneinander, in Rollenspielen (meist) miteinander. Sprich in Brettspielen ist ein ganz starker kompetitiver Grundgedanke enthalten. Die Regeln sollen nun sicherstellen, dass alle Beteiligten möglichst die gleiche Gewinnchance besitzen, ein Regelbruch ist hier also eine (eigennützige) Vorteilsnahme zulasten der „Gegner“. In Rollenspielen hingegen arbeiten die Spieler zusammen am Erreichen eines gemeinsamen Ziels, und selbst der Spielleiter ist dabei weniger Gegner als Mitspieler. Zwar steuert er u.a die Opposition der Spielercharaktere, verfolgt damit aber typischerweise nicht das Ziel zu gewinnen. Im Gegenteil ist es letztlich sein Ziel, die anderen Spieler gewinnen zu lassen. Andererseits möchten die Spieler natürlich das Gefühl haben, das ihre Charaktere echte Herausforderungen bestehen (müssen), um sich den Erfolg auch zu verdienen. In diesem Sinne wäre ein bewusster Regelbruch also nur dann prinzipiell abzulehnen, wenn er den Erfolg der Spieler verhindert bzw. die Herausforderung aus dem Spiel nimmt.

Zwischenfazit (und eigentlich auch schon Beantwortung der Frage): In Brettspielen ist Schummeln aus gutem Grund so negativ konnotiert, da es einerseits die Wettbewerbsfähigkeit der Spieler beeinflusst und andererseits die gemeinsame Kommunikationsgrundlage zerstört. In Rollenspielen herrscht aber in der Regel gar kein Wettbewerb zwischen den Spielern, gleichzeitig sind die Regeln aber nur ein Teil und nicht das Zentrum der Kommunikation. In diesem Umfeld gibt es mehrere Antworten auf die Fragen, ob, wann und auf welche Weise man schummeln darf, und das muss letztlich jede Gruppe für sich selbst entscheiden. Die Diskussion um dieses Thema ist dem Genre also inhärent.

Ich ergänze das ganze noch um einen dritten Punkt, der aber sehr persönlicher und damit subjektiver Natur ist.

3.In Brettspielen hängt mein Spielspaß sehr stark von den Regeln des Spiels ab. Oder anders gesagt, ich spiele ein bestimmtes Brettspiel generell nur dann, wenn mir seine Regeln gefallen. Es gibt Brettspiele, die ich geradezu hasse, und die ich nur ausnahmsweise mal spielen würde, wenn es keine Alternative gibt, und ich ansonsten als Spielverderber dastehen würde. Da würde ich dann womöglich mal gute Miene zum (bösen) Spiel machen, aber besonders viel Spaß hätte ich sicherlich nicht.
Als Rollenspieler ist es mir nun offen gesagt herzlich egal, ob bzw. welches Regelsystem die Grundlage einer Spielrunde bildet. Ich betreibe Rollenspiel nicht wegen irgendeines Regelwerks, sondern weil es für mich die ideale Form kollaborativen Spiels darstellt. Klar hab ich Präferenzen, was die Regelsysteme angeht, aber als Spieler würde ich eigentlich alles mitmachen, was mich auch nur annähernd interessiert und als Spielleiter setzt eigentlich nur meine Faulheit, mich mit neuen Systemen auseinanderzusetzen, meiner Experimentierfreude Grenzen.

Unter diesen Umständen ist wohl leicht erkennbar, warum ich Schummeleien bei Brettspielen prinzipiell als negativ ansehe, während ich bei Rollenspielen eine durchaus differenziertere Einstellung habe.

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