…schaut man zwar eigentlich nicht ins Maul, aber da die Gäule, um die
es in dieser Kolumne gehen wird, Werbezwecken dienen, mache ich in
Zukunft die ein oder andere Ausnahme. In der Hauptsache werde ich dabei
Produkte besprechen, die mir über Drivethru auf der Festplatte gelandet
sind, also der englischsprachigen Rollenspielwelt entstammen, aber falls
mir mal was deutschsprachiges in die Hände fallen sollte, werde ich
natürlich auch davor nicht zurückscheuen. Auch werde ich mich dabei
nicht auf bestimmte Regelsysteme beschränken, was ich mit einer Warnung
für Regelfreunde verbinden möchte: Letztere interessieren mich im
Allgemeinen nämlich herzlich wenig, weswegen ich wohl nur in
Ausnahmefällen qualitative Urteile über den Qualitätsgrad enthaltener
Regeln abgeben werde.
Was für das erste Produkt in dieser Reihe allerdings keine Rolle
spielt, da dieses völlig setting- und regelneutral gestaltet ist. Chubby
Monster Games ist ein noch junges Unternehmen, dessen bekanntestes
Mitglied wohl Kartenzeichner Matt Jackson
sein dürfte. Ziel der Produktreihe „Waypoints“ soll es sein, dem
interessierten Spielleiter Örtlichkeiten vorzustellen, die er leicht in
seine eigene Spielwelt einbauen kann. „The Village of Cowfold“ ist das
erste Produkt aus dieser Serie und kann kostenlos bei Drivethru heruntergeladen werden.
Das Produkt besteht in der Hauptsache aus vier Teilen: einer sehr
einfach gehaltene Schwarz-Weiß-Karte im typischen Stile Matt Jacksons,
auf der das Dörfchen sehr übersichtlich dargestellt wird, einer
Ortsbeschreibung aus der Sicht eines durchziehenden Reisenden, einer
ausführlichen Beschreibung wichtiger Örtlichkeiten und Bewohner Cowfolds
sowie einer kleinen Auflistung möglicher Abenteuerideen, die ihren
Ausgang in besagtem Örtchen nehmen können.
Die Karte hat wie angedeutet einen eher oldschooligen Charakter, was
aber völlig ausreicht, um einen guten Ersteindruck des Dörfchens zu
verschaffen. Schön ist, dass bei den späteren Ortsbeschreibungen der
jeweils relevante Kartenausschnitt nochmals abgedruckt wird, weswegen
die Autoren darauf verzichten können, die Karte mit
Gebäudenummerierungen zu verschandeln, sie also auch als Handout für die
Spieler geeignet ist.
Die Fluff-Beschreibung ist vielleicht ein wenig zu langatmig geraten,
lässt sich aber gut lesen und vermittelt schön den Eindruck eines sehr
friedlichen kleinen Örtchens, in dem alles völlig in Ordnung zu sein
scheint (ein Eindruck, der ein kleines wenig trügt, wie der Leser noch
erfahren soll).
Den Hauptteil bildet die Beschreibung der verschiedenen Gebäude und
ihrer Bewohner. Bei letzteren hat man zwar den Eindruck, als wären sie
auf einer Zufallstabelle ausgewürfelt worden und dann einfach in
Reihenfolge aufgezählt worden (was einen wenig inspirierten Eindruck
hinterlässt). Ansonsten ist die Beschreibung aber gut zu lesen und mit
vielen kleinen Details angereichert, die die Örtlichkeiten und ihre
Bewohner zum Leben erwecken. Teilweise werden noch Abschnitte angefügt,
die unter dem Titel „Geheimnisse“ einen Blick hinter die doch sehr
idyllische Fassade erlauben und andeuten, dass hier nicht alles so schön
ist, wie es auf den ersten blick ausschaut.
Den Abschluss macht die Sektion „Story Hooks“, in der drei
Abenteuerideen aufgelistet werden, die teilweise Bezug auf die genannten
Geheimnisse nehmen, diese allerdings keinesfalls ausschöpfen. Das wirkt
nicht perfekt durchorganisiert, zumal das für mich interessanteste
Geheimnis hier gar nicht auftaucht; allerdings wird dieses im
vorangegangenen Abschnitt ausführlich genug beschrieben, so dass es
nicht unbedingt hier wieder aufgelistet werden muss.
Fazit: Alles in allem ein gelungener Erstling, der seinen Zweck
durchaus erfüllt. Das Dörfchen ist detailliert genug beschrieben, dass
man es direkt in die eigene Welt übernehmen kann, dabei aber generisch
genug, dass man nicht allzuviel (wenn überhaupt) abfeilen muss, um es
für die eigene Welt nutzbar zu machen. Und auch wenn es auf den ersten
Blick wenig für Abenteurer interessant zu sein scheint, enthält es
durchaus den ein oder anderen Anknüpfungspunkt, die man zu kurzen,
möglicherweise sogar längeren Abenteuern ausbauen kann.
Und als kleines Schmankerl seien die enthaltenen Preislisten erwähnt,
auf denen man auch so ausgefallene Dinge wie den Preis für einen Becher
Milch oder verschiedene Brotsorten findet. Ich liebe so etwas, dafür
gibt es von mir also einen kleinen Bonus.
Mein Interesse an der Reihe ist jedenfalls geweckt, und wenn sie in
Zukunft tatsächlich noch, wie auf ihrer Homepage versprochen, noch die
Spielwerte der enthaltenen Charaktere für verschiedene Regelsysteme
(darunter auch Pathfinder) veröffentlichen, dürfte der Nutzwert sogar
noch weiter steigen. Auf drivetrhu hab ich es jedenfalls mit 4 von 5
möglichen Punkten bewertet, was angesichts des „Preises“ durchaus
angemessen erscheint. Für lau kann man sich hier wirklich nicht
beschweren.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen