Dragon Magazine #2 (August 1976)
Der zweite Drache zeigt sich vom Titelbild her schon mal deutlich
professioneller. Das Bild (ein Comic-Conan-Clone vor einem blätterlosen
Baumskelett) wirkt gekonnter, der Text ist vor dem Hintergrund deutlich
lesbarer. Das Innere ist n ach wie vor in Schwarz-Weiß gehalten,
allerdings mischen sich schon die ersten Farbtöne in ein paar der
Illustrationen.
Los geht es mit „Monkish Combat in the Arena of Promotion“,
einem Artikel von John M. Seaton, der sich ein Kampfsystem ausgedacht
hat, mit dem sich Mönche ihren nächsten Rang (Stufenaufstieg) durch
einen Sieg über ihren „Meister“ (einem Mönch höherer Stufe) verdienen
können. Dabei schreiben die beiden Kontrahenten jeweils eine Kombination
aus 6 Schlägen, Tritten oder Blöcken (plus ein paar Spezialmanöver)
auf, die im Vergleich dann den erlittenen Schaden für jeden Kombatanten
ergeben. Der Kampf endet mit Aufgabe (schlimmstenfalls mit dem Tod)
eines der Kämpfer, der Sieger wird zum neuen Meister (im Falle des
Spielers bedeutet das also Stufenaufstieg).
Modernes D&D hat die Idee der Ausbildung ja komplett abgeschafft
(bzw. als Abstraktum im Stufenaufstieg versteckt). Persönlich mochte ich
es immer sehr gerne, wenn so etwas tatsächlich auch ausgespielt wird.
Das hier vorgestellte System könnte auch heute noch problemlos
eingesetzt werden, weil es ganz eigene Regeln verwendet, ist aber
relativ zeitaufwändig und wäre daher eher etwas für ein kurzes
Tête-A-Tête zwischen den eigentlichen Spielrunden, sofern die anderen
Spieler nicht gerne bei so etwas zuschauen. Zumal der Spieler ja auch
verlieren kann, was eine Wiederholung erforderlich machte.
Es folgt der zweite Teil von The Gnome Cache von
Garrison Ernst, indem der junge Dunstan auf eine Bands von Strauchdieben
trifft, die ihm allerdings recht erfolgreich weismachen, sie seien
ehrenhafte Leute, die um ihren Besitz betrogen, nun als eine Art Robin
Hood ihr Leben fristen.
Direkt im Anschluss wird die „Suche nach der Verbotenen Kammer“
fortgesetzt und ihrem Ende zugeführt. Jake Jaquet schwankt immer noch
zwischen Humor und Albernheit, und wie schon im ersten Teil lässt sich
leicht erkennen, dass er mit dem Werk eines gewissen JRR Tolkien nicht
ganz unvertraut ist.
In der Reihe „Hints for D&D Judges“ steuert Joe
Fisher dieses Mal ein paar Tipps zur Ausgestaltung von Dungeons bei,
geordnet nach den Themen Eingänge, Fallen, Schätze, Karten und Monster.
Der Artikel schafft es auf dem gegebenen Raum natürlich nur, diese
Themen kurz anzusprechen, dennoch findet sich darin einiges an Ideen,
mit denen man auch heute noch das eigene Spiel bereichern könnte (und
entsprechend auch in Spielleitertips der Moderne immer mal wieder
auftaucht).
Zeit für einen kleinen Geekgasm: Comic-Gigant Gardner F. Fox (etwa
1500 Comics für DC) schreibt Sword & Sorcery für den Dragon. Mit „Shadow of A Demon“
erscheint die erste aus einer Reihe von Kurzgeschichten um den Krieger
Niall of the Far Travels. Für Fans des Genre nahezu ein Muss, dabei oft
übersehen sind die Geschichten wirklich gut geschrieben und auch heute
noch lesenswert. Diese erste erzählt Nialls Begegnung mit einer jungen
Frau, die ihn in einen Konflikt mit einem grausamen Zauberer hineinzieht
und zu einer Begegnung mit einer Göttin führt, die sein weiteres
Schicksal entscheidend mitbestimmen wird.
Ein recht interessanter Artikel über Qeutzacoatl, „The Feathered Serpent“
beschreibt kurz die Entstehung und Verbreitung seiner Religion und
nimmt in aller Kürze Bezug auf die Eroberung der Aztekenhauptstadt
Tenochtitlan durch die Conquistadores unter Cortes. Am Schluss glaubt
man zwar bei von Däniken gelandet zu sein, wenn auf einmal von dem Gott
als Raumfahrer von einem anderen Planeten spekuliert wird, aber man kann
ja einfach zwei Abschnitte vor Schluss aufhören zu lesen.
Das Monster dieser Ausgabe der Creature Features ist
der Remorhaz, der kälteliebende Feuerwurm, der es bis in aktuelle
Editionen des Spiels hineingeschafft hat. Illustriert von Erol Otus, der
damit sein Debut gab.
John Pickens führt den Alchimisten als neue
Charakterklasse ein. Dieser dupliziert mit seinen Tränken Zaubereffekte
und kennt sich außerdem hervorragend mit Giften aus.
Vom selben Autor gibt es noch eine Regelvariante für Waffenschaden (Schadenserhöhung durch waffenspezifische Expertise) und die Nutzung zweier Waffen in Kombination.
Fazit: Eine deutliche Steigerung gegenüber der ersten Ausgabe.
Schöneres Titelbild, bessere Fiktion und interessantere Inhalte machen
den zweiten Drachen zu einem kleinen frühen Höhepunkt. Das sind schon
ein paar Sachen drin, bei denen ich drüber nachdenke, ob ich die nicht
auch gerne in meinem Spiel drin hätte.

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