Der vierte Drache war der erste mit einem gewissen Themenschwerpunkt,
nämlich M. A.R. Barkers “Empire of the Petal Throne”, von dem Editor
Tim Kask im Vorwort behauptet, das Spiel sei dazu bestimmt, ein
Klassiker zu werden, ein Meilenstein des Rollenspiels.
Nun, inzwischen wissen wir, das dem nicht so ist, und die Dispatches of the Petal Throne
zeigen auch ziemlich schnell, woran das gelegen haben dürfte. Ich hatte
beim Lesen des Artikels ziemliche Probleme, dem Inhalt zu folgen, was
vor allem an der Nomenklatur Barkers, wie der berühmte Tolkien
Wissenschaftler und Sprachforscher, liegen dürfte. Im Gegensatz zu
Tolkien, dessen Werk ja der mittel- und nordeuropäischen Kultur
verhaftet ist, schöpft Barkers Welt mehr aus südamerikanischen und
asiatischen Quellen, was sich auch in der Sprache ausdrückt. Und wenn
man schon auf Seite 1 mit Wortschöpfungen wie “Korunkoi hiGardasisayal Koluman hiTirikeludalidalisa” konfrontiert wird, wird das Lesen schnell
zur Qual. Entsprechend hab ichs auch nicht bis zum Ende geschafft, und
wurde meinem Interesse an dem Setting ein schwerer Schlag versetzt. Was
diesem möglicherweise Unrecht tut (ich hab ein paar gute Sachen darüber
gehört), aber wohl im Lichte der heutigen Erfahrung verständlich ist,
dass nämlich exotische (nichteuropäische) Settings bis heute nicht in
der Lage sind, mehr als nur eine vergleichsweise kleine Gruppe von
Spielern anzusprechen.
Dasselbe Schicksal erlitten also auch The Battle of the Temple of Chanis
(wieder aus der Feder Barkers), zumal dieser sich auch noch an
Miniaturenspieler richtete, wie auch die Kurzgeschichte “Roads from
Jakalla” von Jerry Westergaard, bei der ichs nur bis zu dem Wort
“Tlokiriqalulal” geschafft habe. Die beiden Monstereinträge aus der
Creature Features-Reihe waren immerhin ganz interessant.
Soweit ist die Ausgabe für mich also eine kleine Enttäuschung (und
man beachte dabei bitte, dass ich hier einen sehr subjektiven Standpunkt
einnehme), aber mal schauen, was sonst noch so drinsteckt:
Ein kurzer Artikel über die Androiden an Bord des Starship Warden,
dem Setting des Gamma World-Vorläufers Metamorphosis Alpha aus der Feder
von Schöpfer James M. Ward. Besagte Androiden erforschen das Schiff auf
der Suche nach einer Möglichkeit, ihr doch sehr kurzes Leben zu
verlängern, was ihnen die Herrschaftsübernahme ermöglichen würde. Um
sich bis dahin vor ihnen feindlichen Mutationen zu schützen,
infiltrieren sie die Menschengruppen an Bord des Schiffes, um diese
gegen die Mutanten in Stellung zu bringen.
Eine kleine Zufallstabelle für Begegnungen im Ausländerviertel von
Jakalla, die aber problemlos auch für andere Settings verwendbar ist.
Eine sehr launige Glosse von Gary Jacquet mit magischen Gegenständen wie
C2H5OH oder Waffen wie dem “Breath of Death” (Zitat:”Used by weregamers
who persist in eating polish sausage and sauerkraut on garlic bread
sandwiches while playing D&D. No saving throw (other than out the
window).”)
Die Comic-Fortsetzung der Abenteuer von Finieous Fingers, der auf der
Flucht vor dem Monster feststellen muss, dass seine Fähigkeit, Wände
emporzuklimmen, auch davon abhängt, dass der Putz hält.
Fazit: Fans des Barker-Settings Tékumel werden der Ausgabe sicher
etwas abgewinnen können, für alle anderen enthält der vierte Drache
allerdings relativ wenig. Der Kurzartikel von James Ward enthält
immerhin eine nette Idee, die ich womöglich in anderem Zusammenhang
(sprich als Fantasy-Umsetzung) verwursten werde.

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