Mir schwebt schon lange eine Idee im Hinterkopf herum, und dass die
Juni-Ausgabe des altehrwürdigen Dragon Magazine die Jubiläumsnummer 400
trägt, hat mich mal wieder daran erinnert. Ich wollte schon immer mal
alle Ausgaben des Dragon besprechen, und da ich eh gerade mal wieder
damit beschäftigt bin, mich durch die einzelnen Ausgaben durchzulesen,
ist das der richtige Anlass, um es endlich mal anzugehen. Ist natürlich
eine Menge Holz, aber egal, ich fange einfach mal damit an. Ich werde
mich nicht an allen Inhalten aufhalten, sondern einfach meinen
Interessen folgen, der Leser erwarte also keine vollständigen,
ausführlichen Rezensionen. Auch werde ich nicht unbedingt die
Reihenfolge einhalten, sondern der Aktualität zuliebe die 4E-Ausgaben
vorziehen/parallel lesen. Mal sehen, wie weit ich komme.
Dragon Magazine #1 (Juni 1976)
Sehr farbenfrohes Cover, natürlich mit der Darstellung eines, wenn
auch etwas amateurhaft gezeichneten, Drachen. Das man auf der ganzen
Farbenpracht die grüne Schrift kaum lesen kann, scheint damals niemand
gestört zu haben, man merkt aber schon auf den ersten Blick, dass das
Können der Gestalter ihrer Liebe zum Produkt (noch) etwas
hinterherhinkt. Nicht, dass ich mich nicht „von“ schreiben würde, wenn
ich wenigstens sowas hinbekäme.
Ansonsten ist das 32-seitige Magazin in schwarz-weiss gehalten. Den
Anfang macht ein Beitrag Fritz Leibers, der seinen Schöpfungen, Fafhrd
und dem Gray Mouser zu erklären versucht, was Rollenspiel eigentlich ist
und ein paar Worte über die Welt von Nehwon verliert.
Der darauffolgende Artikel konvertiert die Schlacht der fünf Armeen
nach Chainmail. Was soll ich sagen: Wargaming hat mich nie auch nur im
geringsten interessiert, und für Chainmail bin ich etwas zu jung,
insoweit habe ich auch null Ahnung, ob die Konversion irgendwie Sinn
macht. Ich habs mir auch gar nicht erst angeschaut.
Wesley D. Ives stellt daraufhin ein System vor, mit dem man
Handlungen der SC einen Wahrscheinlichkeitswert abhängig in Höhe des
Attributs vorstellen kann. Fällt direkt in die Kategorie: Einfaches
komplizierter machen.
James M. Ward stellt sich die Frage, ob Magie und Wissenschaft in
D&D nebeneinander existieren können. Er diskutiert das aber nicht
wirklich, sondern bastelt einfach ein paar „technische“ Gegenstände, die
geeignet sind, mit Magie zu interagieren und diese zu kontern. Heute
wären das wohl einfach magische Gegenstände, denn wirklich mit Technik
haben sie nichts zu tun. Immerhin interessant, dass ein auch heute noch
immer mal wieder diskutiertes Thema schon 1976 im Gespräch war.
Lee Gold diskutiert das Sprachensystem in D&D. Wirkt aus heutiger
Sicht ein wenig spinnert. (Zitat: In der Region San Francisco gibt es
einen Maulesel, der durch die Gunst eines Affengottes Japanisch gelernt
hat, um so mit seinem japanisch sprechenden Meister (IN 9) kommunizieren
zu können).
Auch Fiktion gab es schon in der ersten Ausgabe des Dragon. Jake
Jacquet steuerte mit „The Search of the Hidden Chamber“ ein recht
lustiges, teilweise albernes Abenteuer dreier unwahrscheinlicher Helden
(sprich Volldeppen) bei. Und um es vorweg zunehmen: Ein gewisser
Garrison Ernst (aka Gary Gygax) erlaubte dem Leser mit dem ersten Teil
von „The Gnome Cache“ einen frühen Einblick in die Welt von Oerth, wenn
er die Geschichte des jungen Händlersohn Dunstan beginnt, der vor nichts
zurückschreckt, um sich seinen Traum zu erfüllen, Ritter zu werden.
Was haben wir noch: Das erste Auftreten des Landhais (in der Rubrik
Creature Features); Tips für das Zeichnen von Wildniskarten (die auch
heute noch für den Hex-Anfänger nützlich sein können); eine Erweiterung
des in der Strategic Review #4 beschriebenen Illusionisten für OD&D
mit neuen Zaubern und neuen Stufen; und noch ein paar kleinere Artikel
rund um irgendwelche Brettspiele.
Fazit: So richtig viel für heutiges Spielen lässt
sich aus dem ersten Dragon nicht rausholen. Vom historischen Standpunkt
aus ist der Inhalt ganz interessant, ansonsten enthält er nichts, was
meine Fantasie in irgendeiner Form anreizen würde.
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