Eigentlich wollte ich zur Abwechslung ja mal wieder was anderes
bloggen, aber irgendwie haben das Dragon Magazine und ich gerade einen
Lauf.
Dragon #3 (Oktober 1976)
Das Dumme an Höhepunkten ist, dass es danach meistens wieder bergab
geht, und damit sind wir auch schon beim Thema, der dritten Ausgabe des
Dragon Magazine.
Cover: Wieder sehr bunt und experimentierfreudig, aber in den 70ern hat man ja gerne experimentiert. Mehr sag ich dazu lieber nicht.
Erwähnung findet aus historischen Gründen diesmal das Vorwort,
indem zum ersten (und bestimmt nicht zum letzten) Mal eine Diskussion
über den Wert oder Unwert von Fiktion in einem Spielemagazin wie dem
Dragon stattfindet. 35 Jahre später wird diese Diskussion immer noch
geführt (beispielsweise in Bezug auf die Fiktion in den Pathfinder-APs.
Gary Gygax eröffnet den Artikelreigen mit einem Bericht über das 1966 veröffentlichte Sci-Fi-Postspiel War of the Empires,
em kein besonders langes Leben beschieden war. Gygax spielt mit dem
Gedanken, das Spiel wiederzubeleben, aber das scheint wohl im Sande
verlaufen zu sein (war wohl auch kein großer Verlust).
Dann: Notes on Women & Magic, ein Versuch,
weibliche von männlichen Charakteren abzugrenzen. Als Kämpfer sind
Frauen natürlich klar schlechter als Männer, statt Charisma haben sie
des Attribut Schönheit (Beauty), außerdem haben sie Zugriff auf so tolle
Zauber wie Seduction, Charm Men, Charm Humanoid Monsters oder Horrid
Beauty. Len Lakofka hat ja später noch einige nette Beiträge für das
Magazin geleistet, aber der Versuch hier war fürs Klo.
The Gnome Cache wird mit dem dritten und vierten
Kapitel fortgesetzt, in dem Dunstan es gelingt, sich von seiner
fragwürdigen Begleitung zu lösen, er dabei aber feststellt, dass sein
Vater wohl nicht vorhat, ihm seine jüngsten Gaunereien durchgehen zu
lassen. Lesbarer Stoff, sogar einigermaßen unterhaltsam, allerdings
wirkt die Geschichte bisher sehr episodenhaft und der Hauptcharakter
schwankt etwas zu stark zwischen Gerissenheit und völliger Blödheit.
Birth Tables for D&D bietet eine Reihe von
Zufallstabellen, mit dem man einem neuen Charakter schon mal die harten
Daten seines Hintergrunds auswürfeln kann (also Abstammung, Beruf, Stand
des Vaters, sozialer Status etc.). Ich mag Zufallstabellen und diese
hier scheinen ganz gelungen, zumal man sie sehr flexibel ganz nach
eigenem Bedarf einsetzen kann.
Es folgt die erste Ausgabe der „Adventures of Finieous Finger and Fred and Charlie“
mit dem bezeichnenden Untertitel „Or how not to listen at Doorways“.
Auch beim wiederholten Lesen noch lustig , wie Finieous an der Tür
lauschend seinen Gefährten beschreibt, was in seinem Rücken gerade mit
genau diesen geschieht.
Ebenfalls ihren ersten Auftritt hat die Leserbriefseite „Out on a Limb“.
Inhalt (unter anderem): Kritik an der Fiktion im Magazin, Meckerei,
weil TSR keine Erlaubnis erteilt, offizielles Material zu kopieren und
zu verkaufen(!) und ein Klugscheißer, der meint, mehr Ahnung von
Tolkiens Werk zu haben, als es der Realität entspricht.. Spontaner
Gedanke: 40 Jahre später und die Rollenspieler haben sich kein bisschen
verändert :D)
Denn Abschluss bildet „A Plethora of Obscure Sub-Classes“,
bei der es die Offiziellen für angebracht hielten, explizit darauf
hinzuweisen, dass es sich dabei nicht um offizielles Material handele.
Das es trotzdem abgedruckt wird, finde ich sehr sympathisch, zumal ich
mit dem Balancefanatismus der Neuzeit so rein gar nichts anfangen kann.
Den Anfang macht der Heiler, eine bis zur 25. Stufe
beschriebene Klasse, die nicht so recht durchdacht wirkt. Der Heiler
kann erst ab der dritten Stufe heilen, erhält dafür aber später (ohne
rechten Grund) Zugriff auf Magierzauber (warum auch immer). Auch die
eigene Zauberliste ist eine recht wilde Mischung aus Kleriker- und
Magierzaubern.
Der Schreiber ist eine NSC-Klasse von Spezialisten, die in der Lage sind, Zauber aus Büchern auf Schriftrollen (und umgekehrt zu kopieren).
Der Samurai hat ebenfalls seinen ersten Auftritt in
den Seiten des Dragon. Kommt mir dank seiner Fähigkeit zum kritischen
Treffer etwas zu stark vor.
A New View on Dwarves stellt den Versuch dar, die
Rolle der Zwerge ein wenig zu erweitern, in dem ihnen Möglichkeiten
eingeräumt werden, Stufen als Dieb oder Kleriker zu nehmen. Schon damals
stieß das Konzept, Völker als Klassen zu behandeln, auf Widerstand.
Außerdem gibt’s noch den Berserker (ein Kämpfer, der gestaltwandlerische Fähigkeiten besitzt), den Idioten (dessen Idiotie ansteckend auf die Gegner wirkt) und den Schelm (der seine Gegner durch Witze zum Lachen bringt und so kampfunfähig macht.
Fazit: Heute würde so etwas wohl nur noch als
April-Ausgabe durchgehen. Jedenfalls scheint der Autorenaufruf in dieser
Ausgabe einen guten Grund gehabt zu haben.

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